28/11/2017

Korrektes Dolmetschen ist lebenswichtig

Ärztliche Behandlungsfehler kommen leider hin und wieder vor. Das allein ist schon tragisch genug. Doch kürzlich war der Fall einer 35-jährigen Polin in den Schlagzeilen, weil aufgrund der Sprachbarrierere im Krankenhaus etwas gehörig schiefging. Sie war davon ausgegangen, dass ihre abgesunkene Gebärmutter durch eine Operation  „hochgezogen“ werden würde. Allerdings sprach der Gynäkologe vom Entfernen ihrer Gebärmutter.

Im Jahre 2013 kam die Polin zum ersten Mal mit Beschwerden über ihre abgesunkene Gebärmutter in ein niederländisches Krankenhaus. Da sie selbst kein Niederländisch spricht, bat sie eine Freundin und ihren Partner für sie zu Dolmetschen. Auf den ersten Blick eine gute Idee, denn wer sich selbst nicht zu helfen weiß, fragt andere.

Fehlkommunikation mit folgenschweren Konsequenzen

Dass dabei Vorsicht geboten ist, beweist dieser tragische Vorfall. Der Arzt empfahl eine Behandlung. Doch die Frau bevorzugte eine Operation, weil sie davon ausgeht, dass dadurch ihre Gebärmutter „hochgezogen“ würde. Die Operation fand statt, allerdings wurde die Gebärmutter nicht hochgezogen, sondern entfernt. Eine Fehlkommunikation, die das Leben der Frau für immer verändert hat.

Schmerzensgeld statt Kinderwunsch

Frauen bekommen immer später Kinder. Die Patientin ist mit ihrem Kinderwunsch im Alter von 35 Jahren also keine Ausnahme. Der behandelnde Arzt hatte nie ausdrücklich gesagt, dass sie nach der Operation keine Kinder mehr bekommen könnte. Und jetzt, ohne Gebärmutter, ist dies nicht mehr möglich. Die Frau erhielt vom Krankenhaus 34.000,- € Schmerzensgeld, die Hälfte ihrer Forderung. Es geht ihr emotional zu nahe, um in Berufung zu gehen. Denn ihr sehnlicher Wunsch nach einem Kind wird dadurch doch nicht erfüllt.

Schalten Sie einen professionellen Dolmetscher ein

Der Fall dieser Frau ist ein wahrer Albtraum. Jedoch hätte er verhindert werden können, wenn entweder die Patientin oder der Arzt einen professionellen Dolmetscher verpflichtet hätten. Geschehenes lässt sich nicht ungeschehen machen, doch es lässt sich eine Lehre daraus ziehen: Gehen Sie bei vorhandenen Sprachbarrieren keine Risiken ein, vor allem im Beruf. Erkundigen Sie sich nach Möglichkeiten für den Einsatz eines Dolmetschers. In Pflege- und medizinischen Einrichtungen selbst sollten Sie Ihr Personal ausführlich über die Politik in Bezug auf den Einsatz von Dolmetschern unterrichten. Denn wenn es Situationen gibt, in denen gegenseitiges Verständnis lebenswichtig ist, dann in medizinischen Zusammenhängen. Damit tragische Vorfälle wie dieser der Vergangenheit angehören.